CallNet.ch-Talk: Was bringt der Ehrenkodex der Branche?

Seit 1. Januar 2008 ist der neue «Ehrenkodex für Telefonmarketing im Privatbereich» in Kraft, der vom Schweizer Direktmarketing Verband SDV und von CallNet.ch lanciert wurde. Damit soll einerseits eine Selbstregulierung der Branche erreicht und so ein weiteres behördliches Eingreifen vermieden und andererseits eine Verbesserung des Branchenimages erzielt werden. Am 6. März 2008 diskutierten in Rümlang sieben Branchenvertreter über die Auswirkungen des neuen Kodexes.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion
Am 6. März 2008 veranstaltete CallNet.ch im Hotel Park Inn im Vorfeld der Generalversammlung in Rümlang den CallNet.ch-Talk zum Thema «Der Ehrenkodex – eine Chance für die Imageverbesserung unserer Branche?!» Peter Peterlechner moderierte die Podiumsdiskussion, an der folgende Teilnehmer mitwirkten:

• Roger Meili, Ehrenpräsident CallNet.ch
• Tobie Witzig, rbc Solutions AG
• Roelof Koopmans, SDV
• Raphael Raetzo, CallNet.ch
• Tobias Bürgi, Helsana
• Jean-Pierre Zala, CSS

Whitelist wird rege genutzt
Die Verbände SDV und CallNet.ch führen eine Whitelist, auf welcher jene Dienstleister aufgeführt sind, die den Ehrenkodex unterzeichneten. Der Eintrag ist gratis, vorausgesetzt wird aber die Verbandsmitgliedschaft. Laut Raphael Raetzo wurden von den führenden Dienstleistern inzwischen rund 20 eingetragen, das entspricht rund drei Viertel der Mitglieder.

Schwachpunkte des Kodexes
Ein enges Zusammenspiel zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer und eine hohe Qualität in der Umsetzung sind für die zukünftige Entwicklung des Telemarketings bedeutend, davon ist Jean-Pierre Zala überzeugt. Roger Meili zeigt die Massnahmen auf, die nötig sind, um den Ehrenkodex zu befolgen: Prozesse und Systeme müssen angepasst, das Verhalten der Agenten geschult und Adressen geprüft werden. Bemängelt wird weiter der Punkt vier des Ehrenkodex (Verhalten am Telefon). Er sei zu schwammig geregelt. Um das Image zu verbessern und den Nutzen der Auftraggeber zu erhöhen, müssten die Vorgaben klarer sein.

Sterneinträge: Marktpotential um 45% reduziert
Im Juni 2007 hat die Schweizer Lauterkeitskommission entschieden, dass Personen mit Sterneinträgen im Directories-Verzeichnis nicht mehr kalt angerufen werden dürfen. Vorgängig wurde durch das neue FMG (Fernmeldegesetz) vom 01.04.2007 die Opt-out-Möglichkeit vorgeschrieben. Sie ist im E-Mail-Marketing einfach umzusetzen (der Empfänger kann seine Adresse in der Verteilliste streichen lassen), schwieriger ist die Durchsetzung aber im Telemarketing. Dort besteht das Opt-out im Sterneintrag des Konsumenten im Directories. Die Thematik der Kaltanrufe wird deshalb auch im Ehrenkodex festgehalten. 45 % der Schweizer Bevölkerung darf nun nicht mehr für Werbezwecke kontaktiert werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass die verbleibenden 55 % zusätzliche Anrufe erhalten. Peter Peterlechner appelliert an die Kreativität der Unternehmen, die potenziellen Kunden mit neuen Techniken anzusprechen.

Härtere Sanktionen gefordert
Wer gegen den Ehrenkodex verstösst, wird vom Verband ausgeschlossen und auf eine Blacklist gesetzt. Der Verband kommuniziert laut Raphael Raetzo zurzeit primär die Whitelist. Es werden Stimmen laut, die fordern, auch die Blacklist öffentlich zugänglich zu machen, um eine stärkere Signalwirkung zu erzielen. Bei Verstössen müssten Sanktionen – evtl. über den Konsumentenschutz – möglich sein.

Gütesiegel Direktmarketing
Roelof Koopmans informiert über das neue Gütesiegel, welches eine geschützte Garantiemarke darstellt und das Ansehen des Direktmarketings verbessern soll. Unternehmen, welche nach dem «Ehrenkodex Telefonmarketing» oder dem «Ehrenkodex Direct Sales» arbeiten, sämtliche Punkte daraus sowie die Anforderungen der SQS-Checkliste <> vollständig erfüllen, können sich durch die Instanz SQS zertifizieren lassen. Die Zertifizierung ist drei Jahre gültig, jährlich wird jedoch ein Überwachungsaudit durchgeführt. Das neue Gütesiegel wird in Kürze lanciert.

Problematik Mitliefern der Telefonnummer
In der anschliessenden Diskussion mit dem Publikum wird auf die Problematik des Offenlegens der Telefonnummer hingewiesen. Wenn ein Konsument nach Entdecken der Nummer auf dem Display zurückruft und ein Call Center erreicht, ist er enttäuscht. Weiter werden Haushalte, die keinen Sterneintrag haben, aber von der Swisscom-Dienstleistung «Blockieren von unterdrückten Telefonnummern» Gebrauch machen, wieder angerufen. Ein Vorteil für den Anrufenden ist hingegen die höhere Ausschöpfung, welche mit offenen Nummern erzielt wird.

Ehrenkodex muss leben
In einem Punkt waren sich alle einig: Der Ehrenkodex ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft des Telemarketings. Wichtig ist aber, dass er lebt und kontinuierlich weiterentwickelt wird.


Gültigkeitsbereich des neuen Ehrenkodexes
Der Ehrenkodex geht noch weiter als die Empfehlung an den Bundesrat der eidgenössischen Kommission für Konsumentenfragen (EKK). Nebst der Wahrheits- und Klarheitsgrundsätze, der Bestätigung von Vertragsabschlüssen, Datenschutzfragen, dem Schutz der Privatsphäre oder dem Verhalten am Telefon regelt der neue Kodex auch die Auswahl und Schulung des Personals und deren Entlöhnung.

>> callNet.ch / SDV Ehrenkodex Telemarketing


Bildlegende

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion v.I.:
Tobie Witzig, Roger Meili, Peter Peterlechner, Raphael Raetzo, Roelof Koopmans, Tobias Bürgi, Jean-Pierre Zala

>> rbc-Ehrenkodex für Telemarketing

rbc hat alle Vorgaben des neuen CallNet.ch / SDV Ehrenkodexes bereits erfüllt, unsere internen Bestimmungen reichen noch weiter. Unsere Agenten werden zum Beispiel ausschliesslich fix entlöhnt und wir verzichten zudem auf automatisiertes, vorausschauendes Wählen (predictive dialing).